Die Energiewende ist eine der größten Aufgaben unserer Zeit. Von ihr hängt es ab, ob wir die Erwärmung der Erdatmosphäre mit all ihren Folgen stoppen können. Es geht um die Existenz von Küstenländern, um die Bewohnbarkeit dichtbevölkerter Regionen, um Flucht- und Wanderbewegungen, die weit über das hinausgehen, was wir heute erleben. Es hat lange genug gedauert, bis die Tatsache des menschengemachten Klimawandels allgemein akzeptiert wurde, und manche leugnen sie noch immer. Das Pariser Klimaschutzabkommen war daher ein großer Schritt in die richtige Richtung. Aber der Weg ist noch weit: Unser Ziel ist eine vollständig auf erneuerbaren Quellen basierende Energieversorgung. In Hessen wollen wir dies bis zum Jahr 2050 schaffen. Ich freue mich deshalb über jede Windkraftanlage, die ans Netz geht, und über jedes Dach, auf dem eine Photovoltaikfläche installiert wird.

Aber wenn wir unser Ziel erreichen wollen, dürfen wir uns nicht damit begnügen, lediglich Öl, Kohle und Atom durch Wind und Sonne zu ersetzen. Wir müssen Energie nicht nur sauber produzieren, sondern wir müssen auch sorgsam mit ihr umgehen. Effizienz ist unerlässlich für die Energiewende. Deshalb freue ich mich mindestens genauso über jeden Altbau, der energetisch modernisiert wird, und über jedes Unternehmen, das eine Energieeffizienz-Beratung in Anspruch nimmt. Denn in der Effizienz haben wir erheb­lichen Nachholbedarf. Allerdings haben wir auch erhebliche Potenziale, die zu erschließen sind. Sie gehen weit über Fassadendämmung und Isolierfenster hinaus. Gerade die Digitalisierung eröffnet ganz neue Möglichkeiten, die von der Optimierung einzelner Heizanlagen bis zur Steuerung der komplexen Prozesse der Sektorkopplung zwischen Strom, Wärme und Mobilität reichen. Digitalisierung bedeutet weniger Energieverbrauch bei mehr Komfort. Das ist Effizienz im besten Sinne. Gerade in der Heizungsbranche wird die Digitalisierung die weitere Entwicklung maßgeblich bestimmen. Viessmann ist darauf gut vorbereitet, wie das neue Technikum zeigt. Dort wird die Zukunft unseres Energiesystems nicht nur miterfunden, sondern – und das ist ganz wichtig – auch marktreif gemacht. Schließlich ist die Energiewende auch eine ökonomische Offensive. Effizienztechnologien sind weltweit gefragt, und der Bedarf wird weiter wachsen. Von ihnen profitieren alle: die Firmen, die sie herstellen, die Kunden, die sie einsetzen, die Handwerker, die sie einbauen, und unsere Atmosphäre, der sie CO2 ersparen.

Zur Person

Tarek Al-Wazir, 46, ist in seinem Geburtsort Offenbach am Main aufgewachsen. Nach Schulbesuch und Studium der Politologie in Frankfurt wurde er 1993 Mitglied der Offenbacher Stadtverordnetenversammlung sowie 1995 Abgeordneter des Hessischen Landtags. Im Mai 2000 wählte ihn die Landtagsfraktion der Grünen zu ihrem Vorsitzenden. Seit Januar 2014 ist er Hessischer Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung. Mit einer viel beachteten Rede zur Energiewende eröffnete er im März die Branchenleitmesse ISH Energy 2017 in Frankfurt.

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